Linktitel

Jeder Schritt zählt

Bewegung macht Spaß, hält jung und gesund. Ein Gespräch mit Klaus Bös, Professor für Sportwissenschaft an der Universität Karlsruhe.

Wie viel Bewegung braucht unser Körper?

Der Mensch ist ein Bewegungswesen. Der Körper funktioniert nur dann optimal, wenn wir uns ausreichend bewegen. Eine einfache Regel lautet: 10.000 Schritte am Tag. Das klingt viel, schafft man aber leicht, wenn man schon mal jeden Tag 30 Minuten walkt oder joggt und dann zusätzlich im Alltag etwas mehr auf Bewegung achtet: also Treppe statt Rolltreppe, Fahrrad zum Einkaufen.

Welche Vorteile ergeben sich bei regelmäßiger Bewegung?

Bewegte Menschen sind fitter, aber oft auch ausgeglichener und gesünder. Viele der sogenannten Zivilisationskrankheiten (z.B. Herzinfarkt, Diabetes, Rückenkrankheiten) ließen sich mit regelmäßiger Bewegung bei vielen Menschen vermeiden. Inzwischen wissen wir auch, dass das Konzentrieren und Lernen (nicht nur bei Kindern) leichter fällt, wenn wir uns regelmäßig körperlich und sportlich anstrengen.

Oft ist der Wille, mehr für Fitness und Gesundheit zu tun da, der innere Schweinehund jedoch meist größer. Wie schafft man den Einstieg?

Man sollte sich realistische Ziele setzen. Wenn man sich vornimmt, ab morgen täglich zwei Stunden Sport zu treiben, dann wird das mit Sicherheit nicht klappen. Also kleine Schritte vornehmen: z.B. täglich 30 Minuten walken und zusätzlich mehr Bewegung in den Alltag bringen. Am Wochenende mit dem Partner Sport treiben, in einen Sportverein oder ein Fitness-Studio eintreten. Der Sport muss immer zum Menschen passen und nicht umgekehrt. Am allerwichtigsten ist die Regelmäßigkeit. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”, sagte schon Erich Kästner.

Wie wichtig sind Ziele?

Ziele halte ich persönlich für sehr wichtig. Dann fällt es mir persönlich leichter, bei der Stange zu bleiben. Das geht sicher den meisten Menschen so. Ebenso wichtig sind Belohnungen. Man kann sich auch sehr gut selbst belohnen, zum Beispiel darf man bei regelmäßigem Sport auch guten Gewissens ab und zu beim Essen mal etwas mehr sündigen. Ein sportlicher Körper hat mehr Muskulatur und verbraucht nicht nur bei Bewegung, sondern auch in Ruhe mehr Energie als ein untrainierter Körper.

Häufig gelingt es nicht, sportliche Aktivität im Arbeitsalltag
unterzubringen.

Ich persönlich benutze ein Stehpult zum Telefonieren und das steht mehrere Meter weg von meinem PC. Wenn es klingelt, muss ich immer aufstehen und zum Telefon laufen. Manchmal ärgert mich das natürlich, aber dann denke ich wieder darüber nach und finde es gut. Im Übrigen: Im Stehen telefoniert man kürzer und spart damit auch Zeit.

Ist Sport nur was für Junge?

Sport ist ein Lebensstilkonzept. Im Alter ist der Sport im Sinne des Wettkampfs und Leistungsvergleichs nicht mehr wichtig (schon Churchill sagte „no sports”), umso wichtiger werden aber ausreichende Bewegung und Alltagsfitness. Diese erhält man sich am besten durch Walking und regelmäßige Gymnastik.

Was raten Sie Neulingen und Wiedereinsteigern?

Sanft beginnen, am besten mit einer Sportart, die man gut draußen und mit Partner oder Freunden betreiben kann. Walking und Nordic Walking sind ideal. Lassen Sie sich beraten und machen Sie vielleicht zum Einstieg einen Kurs. Wenn man etwas gelernt hat, kann man es besser und es macht gleich mehr Spaß. Wenn man dann nach einigen Wochen bereits spürt, dass man fitter wird, dass sich die Körperform positiv verändert, dass man etwas ausgeglichener wird, dann hat man erst richtig Spaß am Sport. So hat man es geschafft und wird Bewegung und Sport fest in den Alltag einbauen.